Ein Altar in der Scheune


 
Kunstwerk des Monats ist der Altar in der Scheunenkirche St. Gunthildis in Dettenheim.

(ir) Der Altar in der Scheunenkirche St. Gunthildis in Dettenheim ist das Kunstwerk des Monats Juni, das der Fachbereich Kultur- und Denkmalpflege des Bistums Eichstätt auf der Homepage des Domschatz- und Diözesanmuseums präsentiert. Er wurde bereits 1956 so gestaltet, dass der Priester zum Volk hin zelebrieren konnte. Der damalige Kurat Gregor Schneid plante den Altar, indem er die Neuerungen des II. Vatikanischen Konzils bereits vorwegnahm.

Der Altarraum der Scheunenkirche befindet sich in einem rückwärtigen Anbau, der durch ein Oberlicht erhellt wird. Der schlanke Unterbau des Altars besteht aus wiederverwendeten Bruchsteinen, die unter anderem aus den Resten der Gunthildiskapelle bei Suffersheim geborgen worden sind. Die Reliquien sind in einem Kästchen aus Messing untergebracht. In für die Zeit der Fünfzigerjahre typischen ausladenden Proportionen ist die Altarplatte aus Juramarmor gehalten. Hinter dem Altar ist in eine Wandnische der Tabernakel aus geschmiedetem Messing gesetzt, dessen Füße aus Löwenfiguren bestehen, wie man sie von altägyptischen Denkmälern her kennt. Die Front zieren griechische Buchstaben, die sinngemäß ausdrücken: Jesus Christus wird siegen am Kreuz. Weitere rustikal geschmiedete Einzelteile unterstreichen den Charakter der Scheune.



Die gesamte Kirche ist eine Schöpfung des Kuraten Gregor Schneid. In dem Straßendorf, das ursprünglich zur Grafschaft Pappenheim gehörte, gibt es ein spätbarockes Schlösschen von 1782, auf dessen Areal eine Scheune aus Bruchstein mit Fachwerkobergeschoss aus dem Jahr 1814 steht. Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelten sich in dem Dorf, das über eine protestantische Kirche verfügt, auch katholische Heimatvertriebene an. Die Familie des Schlossbesitzers Adam Vorbeck ermöglichte die Feier von katholischen Gottesdiensten im Schloss. 1955 wurde Gregor Schneid zum Kurat von Dettenheim ernannt und entwickelte zusammen mit der Familie Vorbeck ein Konzept, mit dem ein Teil der Scheune zu einem Sakralraum umfunktioniert wurde. Für die Realisierung der Scheunenkirche standen nur wenige Geldmittel zur Verfügung. Umso mehr brachten sich die Gläubigen ein. Gregor Schneid bewies einen starken Sinn für die Werte historischer Bau- und Handwerkskunst, so dass die Eingriffe in die Scheune äußerlich kaum wahrnehmbar sind. Nach dem Betreten überrascht der Raum durch eine ganz eigene mystische Atmosphäre. Der düstere Raum besteht aus rohem Bruchsteinmauerwerk und der rustikalen Holzkonstruktion des Daches.

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Gregor Schneid, Priester der Diözese Eichstätt, versah von 1945 bis 1954 das Amt eines Kooperators in Ellingen. Dort kam er in Kontakt mit der Nürnberger Kunstakademie, die wegen Kriegsschäden in das Ellinger Schloss ausgelagert war. Er betrieb dort eine Art Selbststudium. Gregor Schneid war maßgeblich beteiligt an der Behebung von Bombenschäden, z. B. an der Pfarrkirche St. Georg. Er entdeckte bei Suffersheim die mittelalterliche Wallfahrtskirche zur heiligen Gunthildis und betrieb ihre Ausgrabung. Er galt als sehr umgänglicher, weltoffener Geistlicher, der seinen Prinzipen treu blieb. 1962 wurde ihm die neu errichtete Kuratie Markt Berolzheim übertragen. Nach einer schweren Erkrankung starb er 1967 in einer Würzburger Klinik.