„Eine extreme Herausforderung“



Landrat Anetsberger vor Ort im Eichstätter Gesundheitsamt. Nachverfolgung von Indexfällen hatte auch über Ostern oberste Priorität.

(ir) Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitsamtes gehören aktuell zum am stärksten geforderten Bereich innerhalb der Landkreisverwaltung. Sie haben während der gesamten Osterfeiertage durchgearbeitet, um die hohe Zahl der Infizierten- und Kontaktpersonenermittlung bewältigen zu können. Landrat Alexander Anetsberger stattete dem Fachbereich einen persönlichen Besuch ab und ließ sich von Amtsärztin Regina Lindl und Hygieneinspektor Jürgen Nerb eingehend über die aktuelle Arbeitssituation informieren.



„Es ging einmal mehr darum, wie die Ermittlungsarbeit bei den momentanen Inzidenzwerten noch effizienter erfolgen kann. Dies ist eine extreme Herausforderung, der alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit großem Einsatz unter hoher persönlicher Belastung nachgehen, auch über Ostern hat sich hier viel getan“, so Landrat Anetsberger vor Ort. Seit dem 6. April läuft die aktuelle Kontaktpersonenermittlung wieder auf Hochtouren, die Fachkräfte der CTTs erledigen zeitgleich rückständige Formalitäten bei bereits ermittelten Fällen.



Angesichts des Infektionsgeschehens, das sich in allen Landkreisen ähnlich entwickelt habe, den stellenweise täglich neuen Verordnungen der Regierung und Personalknappheit im Bereich der Kontaktpersonenermittlung kämpfe das Amt an verschiedensten Fronten und müsse sich auch von kontaktierten Bürgerinnen und Bürgern so manchen Vorwurf gefallen lassen. Im Bereich der Indexfälle sei das Gesundheitsamt jedoch auf aktuellen Stand, im Bereich der Kontaktnachverfolgungen „haben wir Rückstände. Wir versuchen jedoch uns wieder mehr Luft zu verschaffen, um für die nächste Phase gewappnet zu sein“, bekräftigt der Landkreischef. Bei einer neuerlichen Verschärfung der Indexzahlen müsse wieder schnell, flexibel und konsequent reagiert werden können.



Die wichtigsten Säulen im Kampf gegen die Pandemie sind für Alex Anetsberger Impfen, Testen und die Kontaktnachverfolgungen mittels sogenannter Contact Tracing Teams. „Der Öffentlichkeit ist es nur bedingt begreifbar zu machen, dass wir uns an die Vorgaben der Regierung halten müssen, obgleich diese auch für uns manchmal herausfordernd sind“, so Anetsberger. Ein einziger positiv getesteter Fall in einer KiTa oder Schule ziehe oftmals Hunderte von Kontaktpersonen nach sich, die alle ermittelt werden müssen. „Was unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter da an sieben Tagen die Woche leisten, das ist wirklich unglaublich.“ Die Pandemie sei eine Wellenbewegung, „und wir müssen immer gegen diese Wellen ankämpfen, uns immer vor die nächste Welle bringen und für die nächste Phase wappnen – und genau das tun wir jeden Tag mit all unseren Kräften und schaffen das auch!“



Der Ausbau der CTT zur Kontaktnachverfolgung bei positiven Covid19-Fällen habe in Bayern und auch in Eichstätt zwar gut funktioniert, aktuell arbeitet der Landkreis jedoch nicht nur mit den geschulten CTT-Kräften, sondern hat einen behördeneigenen Pool an speziell dafür geschulten Landratsamtsangehörigen geschaffen, die bei der Kontaktnachverfolgung mithelfen. Kräfte der Polizei und anderen Einrichtungen unterstützen das Gesundheitsamt angesichts der Dynamik der Infektionen zusätzlich.



Der Aufwand in der Kontaktpersonenermittlung ist immens, was aber auch damit zusammenhängen kann, dass kontaktierte Bürger „nicht immer froh und glücklich über einen Anruf des Gesundheitsamtes sind“, so eine Praxiserfahrung der CTT-Teams. „Je konstruktiver die Kontaktierten mitarbeiten, umso effizienter ist unsere Arbeit!“, appelliert Anetsberger an die Landkreisbevölkerung. Infizierte müssten Fragen nach dem Ansteckungsort ehrlich beantworten, um die Gefährdung anderer Menschen möglichst zu verhindern.



Trotz der von der Regierung vorgenommenen personellen Verstärkungsmaßnahmen der Gesundheitsämter sei eine ausreichende Personalausstattung für jedes Gesundheitsamt eine gewaltige Herausforderung: Geeignete Kräfte beispielsweise für die Kontaktermittlung zu finden, sei schwierig – sie dann angesichts der von der Regierung vorgegebenen Befristungen halten zu können, schließlich nochmals eine zusätzliche Erschwernis. Eine schnelle Aufstockung mit Personal bedeute also nicht automatisch, „dass ab dem nächsten Tag alles flutscht.“



Als Beispiel nennt Anetsberger die Quarantänebedingungen, die sich oft so schnell ändern können, dass selbst erfahrene Kräfte sich immer wieder auf den neuesten Stand bringen müssen. Dass Arbeitseinsätze oftmals nicht so reibungslos funktionieren wie von Ministerien entsprechend verkündet, lässt Anetsberger anklingen, wenn es beispielsweise um die verpflichtend vorgeschriebene Technik- und Softwareausstattung als Anforderungen an die Kontaktverfolgung geht:



„Die aktuellen Richtlinien zur Kontaktverfolgung sind das eine und auch sinnvoll, aber das Gesundheitsamt kämpft auch damit, dass Schnittstellen nicht funktionieren, was die Datenübernahme für Ermittlungen zusätzlich erschwert“, bedauert der Landkreischef. Apps wie „Luca“ oder „Darfichrein“ befürwortet er ausdrücklich, allerdings stünden Prüfungen und Genehmigungen durch das Bayerische Digitalministerium noch aus. Eine App sei allerdings kein „Allheilmittel“ und müsse auch eine sehr hohe Nutzerquote haben, damit sie wirke.



Das Landratsamt mit Landrat Anetsberger an der Spitze stimmt sich täglich mit allen Verantwortlichen aus Gesundheitsamt, Katastrophenschutz, Medizinern, Schulen, Alten- und Pflegeeinrichtungen ab und arbeitet mit höchstem Einsatz daran, allen Anforderungen der Pandemie gerecht zu werden. Leider haben viele Mitbürgerinnen und Mitbürger vergessen, dass für Bayern noch immer der Katastrophenfall ausgerufen ist, und die Inzidenzwerte gemahnen zur Umsicht gerade im persönlichen Umfeld. „Die Nachverfolgung tagesaktuell in den Griff zu bekommen, das ist unser oberstes Ziel. Aber wir müssen angesichts der komplexen und angespannten Lage auch um Geduld bitten“, betont auch Johannes Bialetzki von Fachbereich Gesundheitswesen im Landratsamt.



Immer wieder erreichen das Gesundheitsamt - und auch den Landrat selbst - Bitten von Lehrkräften, alle Lehrkräfte flächendeckend zu impfen und auch Kinder ohne Krankheitssymptome schnell zu testen, wenn in einer Klasse ein positiver Fall aufgetreten ist. Nicht selten wird ein pragmatisches Vorgehen mit Quarantänebestimmungen gefordert, Quarantänemaßnahmen kritisch hinterfragt und auf Diskrepanzen zu Anordnungen anderer Gesundheitsämter hingewiesen. „Eine einheitliche Lösung, die über die Grenzen unserer Bundesländer hinweg gilt, wäre natürlich wünschenswert.



Besonders dann, wenn ich höre, dass beispielsweise ein benachbartes Gesundheitsamt andere Quarantänefestsetzungen trifft als wir“, so Anetsberger. Bayerische Allgemeinverfügungen stehen einer regionalen Lösung und damit Alleingängen aktuell komplett entgegen. „Wenn es andere Gesundheitsämter abweichend von gesetzlichen Vorgaben handhaben, dann muss ich das akzeptieren, aber nicht für gut befinden. Eine strengere Handhabung von Vorschriften ist natürlich aufwändiger und erschwert die Kontaktnachverfolgung, aber das liegt in der Natur der Sache.“ Kontaktpersonen, welche sich in Quarantäne befinden, können sich auch während ihrer Quarantänezeit zum Testen z.B. an ein Kommunales Testzentrum begeben.



Ausschließlich für den Weg zum Test und zurück darf die häusliche Quarantäne unterbrochen werden. „Auch ohne Symptome kann man freiwillig einen Schnelltest oder einen PCR-Test durchführen lassen, wenn zum Beispiel als infiziertes Familienmitglied sicherstellen will, niemanden der Restfamilie angesteckt zu haben“, erklärt Amtsärztin Regina Lindl. Bereits vor den Osterferien habe das Gesundheitsamt ganze Kita-Gruppen oder Klassen innerhalb von ein bis zwei Tagen getestet, wenn ein positiver Fall in einer Kita-Gruppe oder Klasse aufgetreten sei. Dies sei auch künftig wieder das Ziel.



Zur Schnelltestung auf das Corona-Virus werden im Landkreis Eichstätt unterschiedliche Angebote bereitgestellt, die ersten Schnellteststationen eröffneten bereits am 1. April. Bereits in den ersten Tagen waren die Testtermine durchweg gut gebucht, „die Auslastung über Ostern war enorm, auch die PCR-Stationen liefen auf Volllast“, erläutert David Vogl vom Fachbereich Katastrophenschutz. Zudem verfolgt der Landkreis die Strategie, die Infrastruktur zu erweitern.



Unter anderem werden dabei die bereits bestehenden Testzentren ausgebaut und weitere dezentrale Teststellen eröffnet. Die aktuellen Optionen sind in einer Übersicht aufgeführt, die auf der Landkreishomepage www.landkreis-eichstaett.de einschließlich der Öffnungszeiten zum Download bereitstehen. Online kann auch hier direkt eine Terminbuchung vorgenommen werden. „Die eingeführte Online-Buchung ist sehr gut angelaufen und vereint alle Teststationen auf einer Anmeldeseite“, berichtet Vogl.



Die Schulen unterstützt der Landkreis aktuell mit der Verteilung von Schnelltests für Lehrer und Schüler, durchgeführt durch den Fachbereich Katastrophenschutz. Zur richtigen Anwendung der Selbsttests haben sich mehr als 70 Lehrkräfte aus allen Schultypen während der Osterferien in einer vom Landkreis organisierten und durch das Bayerische Rote Kreuz durchgeführten Onlineschulung einweisen und schulen lassen. Für den Bereich der Kindertagesstätten fordert Amtsärztin Regina Lindl alle Einrichtungen auf, auch nach den Ferien die Hygienekonzepte strikt einzuhalten.



Das bedeutet, dass einzelne Gruppen konsequent getrennt bleiben müssen und sich weder in Pausen, beim Mittagessen oder in der Mittagsbetreuung mischen dürfen: „Gerade bei größeren Gruppen bringt uns die Kontaktnachverfolgung ziemlich unter Druck, wenn ein Kind positiv getestet wurde. Die Nachermittlungen sind sehr zeitintensiv, wir sind bei den Indexfällen zwar aktuell auf dem heutigen Stand, aber steigende Fallzahlen kann jeder Einzelne durch Einhaltung sämtlicher Hygieneregeln begrenzen helfen.“



Hinsichtlich der Impfstrategie hat der Landkreis dafür gesorgt, dass mit den beiden Impfzentren in Eichstätt und Lenting alle zur Verfügung stehenden Impfmengen umgehend verimpft werden – „das haben wir bisher geschafft und das schaffen wir auch weiterhin!“, so Anetsberger. Zuversichtlich zeigt sich auch Abteilungsleiterin Maria Seitz, Leiterin der „Führungsgruppe Katastrophenschutz“ (FüGK) des Landkreises Eichstätt: „Ich bin ebenso wie unser Landrat froh über die baldige Impfunterstützung der Hausärzte. Und die Erweiterung unserer beiden Impfzentren ist so gut wie abgeschlossen, so dass das Impftempo hoffentlich weiter erhöht werden kann.“



Aktuell gab es im Landkreis 14.610 Erst- sowie 7.173 Zweitimpfungen. Insgesamt 24.696 Impfwillige haben sich für eine Impfung bereits vormerken lassen. Christoph Riepl, Verwaltungsleiter der Landkreis-Impfzentren, appelliert an die Bevölkerung, sich für eine Impfung unter https://impfzentren.bayern/ zu registrieren. Bis Dienstag,13. April 2021 werden Impflinge im Dienstleistungszentrum Lenting geimpft. Am Mittwoch, 14. April 2021 öffnet das neue Impfzentrum in Lenting (Am Bergfürst 1a) – in Eichstätt am Volksfestplatz ist die Erweiterung ebenfalls fast abgeschlossen.

Das Foto zeigt Landrat Alexander Anetsberger (rechts), der sich vor Ort über die aktuelle Arbeitssituation im Eichstätter Gesundheitsamt informierte. Weiterhin auf dem Bild: Amtsärztin Regina Lindl und Hygieneinspektor Jürgen Nerb.