Impulse für inklusive Musikpädagogik


 
Ausgeschlossene Stimmen hörbar machen.

(ir) Mit Professor Lee Higgins von der York St. John University in England war zu Beginn des neuen Jahres einer der führenden Impulsgeber für den Bereich „Community Music“ zu Gast an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU). Diese Form der Musikpraxis bietet Musikpädagogen die Möglichkeit, Inklusion, kulturelle Teilhabe und soziale Gerechtigkeit in musikalische Projekte einfließen zu lassen. Higgins arbeitete während seines Aufenthaltes an der KU mit Studierenden des europaweit einzigartigen Masterstudiengangs „Inklusive Musikpädagogik/Community Music“ und erläuterte bei einem Vortrag in den Räumen von KU.impact die Grundlagen dieser besonderen Form der Musikpädagogik.

Higgins schilderte dabei Beispiele aus verschiedenen Ländern: In Nord-England bastelt eine Gruppe mit Interessierten Instrumente aus Müll, um Musikmachen und Recycling zu verbinden. Damit soll neben dem musikalischen Erlebnis in der Gruppe das Bewusstsein für Nachhaltigkeit gestärkt werden. Ebenso gibt es Projekte in brasilianischen Armenvierteln, einer Konfliktzone in Tel Aviv oder mit Flüchtlingen im Libanon. Alle Aktionen haben das Ziel, Gemeinschaft zu stärken, Vorbehalte abzubauen und Selbstbewusstsein zu schaffen. „Das Feld der Community Music hat sich zum internationalen Phänomen entwickelt“, sagte Higgins.



Wichtig sei, dass hinter Community Music ein anderes Verständnis von Kultur stehe. Er selbst habe das Musikmachen in seiner eigenen Schulzeit als Ausdruck elitärer Strukturen wahrgenommen. „Ich wurde da rausgehalten“, sagte er, „sie haben meinen musikalischen Ausdruck nicht wertgeschätzt“. Zur Musik kam er durch seine eigene Garagenband. In der Community Music gehe es darum, „ausgeschlossenen Stimmen zu ermöglichen, dass sie gehört werden“. Dennoch stehe hinter dem Konzept kein „flauschiges Alle-lieb-Haben“. Viel mehr gehöre dazu ernsthafte Forschung, Theorie, Ausbildung und Praxis, die eine fundierte Form der Community Music hervorbringe – im Hinblick auf soziale Effekte, aber auch auf musikalische Qualität. „Musik ist eine fundamental menschliche Praxis“, so Higgins. Community Music ermögliche es, dass Musik über die Lebensspanne eines Menschen eine wichtige Rolle spielen könne.

Professor Higgins ist Direktor des „International Centre for Community Music“, das dieser Form der Musikpraxis ein globales Forum für Forschung, Ausbildung und pädagogische Fragen bieten will. Mitglied dort ist auch Alicia de Banffy-Hall, die an der KU im Masterstudiengang „Inklusive Musikpädagogik/Community Music“ lehrt. Zudem ist Higgins derzeit Präsident der International Society for Music Education. Noch vor fünf Jahren sei es undenkbar gewesen, dass ein Kandidat aus dem Bereich Community Music zum Präsidenten gewählt werde, erläuterte er. Es habe ein Umdenken stattgefunden: In vielen Ländern der Erde halte man die Ideen der Community Music inzwischen für wichtig. Der Besuch des englischen Musikpädagogen unterstreicht ein zentrales Anliegen des Masterstudiengangs, der den Studierenden eine enge Anbindung zu internationalen Institutionen bieten möchte.

Anzeige


Informationen zum Masterstudiengang „Inklusive Musikpädagogik/Community Music“:
Der Masterstudiengang verbindet als erstes Studienangebot dieser Art die Umsetzung von Inklusion als Menschenrecht mit der Professionalisierung von Musikpädagoginnen und Musikpädagogen. Der Studiengang kann sowohl in Voll- als auch Teilzeit absolviert werden und richtet sich nicht nur an Absolventinnen und Absolventen aus dem Lehramt oder künstlerisch-pädagogischen Studiengängen, sondern auch an Interessenten aus den Bereichen Musiktherapie, Kulturvermittlung, Soziale Arbeit oder Sonderpädagogik. Eine Bewerbung ist bis zum 1. Juni dieses Jahres möglich.

Das Foto zeigt Prof. Dr. Klaus Stüwe (Vizepräsident für Internationales, rechts im Bild) begrüßte Professor Lee Higgins (2. von links) an der KU gemeinsam mit Studiengangsleiter Prof. Dr. Daniel Mark Eberhard und Alicia de Banffy-Hall (Dozentin im Masterstudiengang).