Mit Informationen gegen Antisemitismus



Gesprächskreis Christentum-Judentum mit neuem Informationsangebot im Jubiläumsjahr. 

(pde) Seit 25 Jahren hält der Eichstätter Gesprächskreis Christentum-Judentum (GCJ) die Erinnerung an jüdisches Leben in der Region wach und pflegt den interreligiösen Dialog. Mit „Informationen und Impulsen“ setzt die Gruppe im Jubiläumsjahr neue Akzente in ihrer Arbeit und leistet damit einen Beitrag gegen Antisemitismus.



Gegründet wurde der ökumenische Gesprächskreis 1996 im Rahmen der Projektwoche „Wider das Vergessen“ in Eichstätt. Schwerpunkte der Arbeit sind nach wie vor die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Juden und ihrer Verfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus in der Region Eichstätt, die Entwicklung und Bewahrung einer Kultur der Erinnerung an die Opfer der Verfolgung, die Beschäftigung mit jüdischer Kultur und Theologie heute sowie der Dialog der Religionen, insbesondere zwischen Judentum und Christentum. Träger des GCJ ist die Katholische Erwachsenenbildung im Landkreis Eichstätt, die eng mit der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde, der Dompfarrei sowie je nach Projekt und Veranstaltung weiteren Institutionen, Vereinen und Verbänden kooperiert.



Zum sogenannten „Planungskreis“ des GCJ gehört von Beginn unter anderem der ehemalige Leiter des Diözesanarchivs, Brun Appel, der sich in besonderer Weise mit der Geschichte der Juden auf dem Gebiet des Bistums Eichstätt auseinandergesetzt hat. Auch die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Eichstätt ist stets in dem Gremium vertreten, derzeit durch Pfarrerin Christiane Rabus-Schuler. Bis zu ihrem Tod im November 2004 hat auch Chriss Fiebig, die frühere Kulturbeauftragte der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg, verschiedene Veranstaltungen mit angeboten und gestaltet. „Diese Mitarbeit fehlt und konnte nicht ersetzt werden, da es auf dem Gebiet der Diözese Eichstätt meines Wissens keine jüdischen Ansprechpersonen gibt“, bedauert Barbara Bagorski, ehemalige Leiterin der Hauptabteilung Pastorale Dienste.



Neben zahlreichen Veranstaltungen, die der Gesprächskreis in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten federführend organisiert hat, konnte er auch sichtbare Zeichen setzen. So erinnern insgesamt 18 Stolpersteine an acht Orten in Eichstätt an jüdische Familien beziehungsweise Einzelpersonen, die dem Nationalsozialismus zum Opfern fielen. Die Idee für dieses Projekt entstand in einem Seminar des Gabrieli-Gymnasiums. Die goldglänzenden Stolpersteine wurden am 2. November 2016 zusammen mit dem Künstler Gunter Demnig verlegt und gehören zum „größten dezentralen Mahnmal der Welt“.



Mit einem neuen Angebot auf der Website des Bistums Eichstätt will der Gesprächskreis - gerade in Zeiten der Corona-Beschränkungen - Themen rund um den christlich-jüdischen Dialog stärker digital präsentieren. Unter der Rubrik "Informationen und Impulse" gibt es Wissenswertes zum jüdischen Leben heute, zu seinen Bräuchen und Festen. Darüber hinaus sind Hinweise zur Geschichte der Juden im Bereich der Diözese Eichstätt geplant. „Auch Fragen zu aktuellen Themen sollen aufgegriffen werden, soweit dies möglich ist“, sagt Bagorski. Ein Ziel sei es zudem Impulse anzubieten, die zum Nachdenken über den eigenen Glauben, das Verhältnis zum Judentum und den eigenen Standpunkt anregen sollen, aber auch zur Reflexion von sozialen, gesellschaftlichen und religiösen Fragen, wie Thomas Henke, Leiter der diözesanen Medienzentrale, erklärt.



„Leider sehen wir uns derzeit mit einem erschreckenden Erstarken des Antisemitismus und Antijudaismus konfrontiert“, stellt Henke fest. Mit seinen Angeboten wolle der Gesprächskreis weiterhin für das Thema sensibilisieren und „das leider sehr marginale Wissen über das Judentum unter anderem durch Bildungsangebote fördern“. Wichtig sei es dem GCJ ebenfalls, die Wurzeln des Christentums im Judentum bewusst zu machen und zu erschließen sowie Vorurteile durch Informationen und Begegnungen abzubauen. „Letztlich soll mit den Angeboten, die hoffentlich bald auch wieder in Präsenz möglich sein werden, auch ein deutliches Signal gegen antijüdische und antisemitische Strömungen gesetzt werden“, sagt Henke. Ein Studientag zum Themenbereich Antisemitismus, der für dieses Jahr angedacht war, hoffe man 2022 durchführen zu können. Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit war schon immer die Erinnerung an die Reichspogromnacht, „damit sie nicht über die Feierlichkeiten zum Mauerfall in Vergessenheit gerät^“, wie Bagorski sagt.



Angesichts der aktuellen Pandemielage drohe das wichtige Jubiläum „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“, das in diesem Jahr begangen wird, wenig Beachtung in der Öffentlichkeit zu finden. Veranstaltungen dazu sind derzeit im Bistum nicht geplant, die Mitglieder des GCJ-Planungskreises stehen aber als Ansprechpartner für die Empfehlung von Fachreferenten zur Verfügung. Ein Anliegen des Gesprächskreises ist es, nicht nur das Datum, sondern vor allem die lange wechselvolle Geschichte des Judentums in Deutschland ins Bewusstsein zu bringen und Informationen dazu anzubieten.