Waldspaziergang im „Garten der Begegnung“



Die zweite Route im Eichstätter KultURwald wurde eröffnet.

(ir) Ein goldener Zaun, ein „Zauberloch“ und ein kunstvoller „Garten der Begegnung“: Das erwartet Spaziergänger auf der neuen Route im Eichstätter KultURwald. Der vergangene Woche eröffnete, 2 Kilometer lange Rundweg führt auf die Spuren von Ludwig Graf Cobenzl, der als Geistlicher und Illuminat in Eichstätts Geschichte einging.



Mit diesem Thema ergänzt der neue Weg die bereits seit 2018 bestehende Route 1 des KultURwald-Projekts im Eichstätter Auwäldchen, das sich zwischen dem Rosental, dem Cobenzl-Schlösschen und der Hochfläche des Frauenbergs erstreckt. Wald und Waldwirtschaft sowie die Jagdleidenschaft der im 19. Jahrhundert über Eichstätt herrschenden Herzöge von Leuchtenberg waren das Thema der ersten Tour.



Die zweite Route teilt sich mit der älteren zwar die Einstiegspunkte (unter anderem am Salesianum und an der AGIP-Tankstelle), nimmt aber einen anderen Verlauf und geht auch zeitlich weiter zurück. „Unterwegs in diesem fantastischen Stück Wald mit seiner außergewöhnlichen Geschichte“, erklärt Eichstätts Tourismus-Chef Lars Bender, „machen die Spaziergänger Bekanntschaft mit Ludwig Graf Cobenzl und seinem Garten der Begegnung“.



Cobenzl war unter den Eichstätter Fürstbischöfen nicht nur Domherr, sondern auch ein Illuminat. Neben seinem am Hang gelegenen barocken Schlösschen, das sich – von der Altmühl getrennt – gegenüber der Eichstätter Sommerresidenz und des Hofgartens erhebt, ließ er ab 1784 eine Parkanlage nach englischem Vorbild errichten.



Ein „Garten der Begegnung“ schwebte ihm vor, in dem getreu der illuminatischen Ideen Adel und Bürgertum ungezwungen beim Spazierengehen aufeinandertreffen konnten. In der künstlich angelegten Höhle des Gartens fanden außerdem geheime Treffen der Illuminaten statt. Die nächtlichen Feuer, die von der Stadt aus zu sehen waren, brachten der Höhle den Beinamen „Zauberloch“ ein.



Die Höhle, die bewachsenen Mauern der verwunschen angelegten Wege, den Regenschirm als schönen Ruheplatz und Aussichtspunkt und historische Steinbänke gibt es noch – ansonsten hat kaum etwas von der Anlage die Zeit überdauert, weder der exquisite Rosengarten noch das Bienenhaus oder das Mausoleum für einen jung verstorbenen Domkapitular. Die neue KultURwald-Route aber lässt den „Garten der Begegnung“ wieder auferstehen: zum einem durch Informationstafeln, zum anderen durch künstlerische Begegnungsmöglichkeiten mitten im Wald, die die Eichstätter Künstlerin Li Portenlänger und Forstwirt Markus Blacek erarbeitet haben:



Da trifft man auf einen goldenen Zaun, auf Trichterrohre, die dem Wald eine Stimme geben, oder auf Gedichte von Hermann Hesse und Georg Trakl. „Mehrere Tafeln“, so Lars Bender weiter, „sind zudem mit QR-Codes verknüpft: Sie führen zu einem thematisch passenden Film des Eichstätter Filmemachers Fred Darimont oder zu einer Lesung des Eichstätter Autors Michael Kleinherne.



Ermöglicht wurde die Route 2 des KultURwald-Projekts durch LEADER-Förderung sowie die großzügige Unterstützung der Sparkasse Ingolstadt-Eichstätt und des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Eichstätt. Ganz „fertig“ ist der Pfad aber noch nicht – und genau das ist Teil des Konzepts: Denn so, wie sich die Natur den historischen „Garten der Begegnung“ zurückgeholt hat, werden die künstlerischen Elemente auch von der Natur verändert werden – etwa durch Bewuchs oder Erosion. Wie sich der Pfad im Laufe der Zeit und im Wechsel der Jahreszeiten verändert, „erwandert“ man sich am besten selbst. Jetzt im Sommer ist ein Spaziergang durch den KultURwald übrigens besonders zu empfehlen: Der Schatten der Bäume ist eine Wohltat.