Wenn die Schilddrüse Probleme macht


 
Praxisnahes Update für die Haus- und Fachärzte der Region beim 1. Endokrinologischen Kolloquium von Chefarzt Dr. Achim Wolf.

(ir) „Arzt und Patient im Dialog“ lautet der Titel der Vortragsreihe, den der Freundeskreis der KJF Klinik Sankt Elisabeth für medizinische Laien konzipiert hat. Doch nicht nur dann steht der Vortragssaal der Krankenpflegeschule im Mittelpunkt des Interesses. Attraktive Fortbildungsveranstaltungen für Spezialisten bilden einen weiteren Schwerpunkt des christlichen Hauses. Das „Update Schilddrüse/Nebenschilddrüse“ richtete sich als Fortbildungsveranstaltung an einen medizinischen Adressatenkreis. Die Resonanz auf dieses Abend-Kolloquium, an dem nahezu 100 niedergelassene Haus- und Fachärzte aus unserer Region teilnahmen, war hervorragend.

„In unserem Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung deckt die Abteilung für Allgemeine und Visceralchirurgie einerseits ein sehr breites operatives Spektrum ab und arbeitet andererseits hoch spezialisiert“, begrüßte Geschäftsführerin Ulrike Kömpe die Anwesenden. „Wir freuen uns sehr, mit unserem neuen Chefarzt Dr. Achim Wolf einen solch versierten Spezialisten gefunden zu haben. Nach nur sechs Monaten an unserem Haus hat er sich bei seinen Arztkollegen, der Pflege und Patienten den Ruf erworben, dass er mit großer fachlicher Souveränität, menschlicher Empathie und einem hohen Verantwortungsbewusstsein agiert.“

Neues in Diagnostik und Therapie benigner und maligner Schilddrüsenerkrankungen und in der Diagnostik von Nebenschilddrüsenerkrankungen – diese Themen standen im Zentrum des interdisziplinären Kolloquiums. Dr. Achim Wolf leitet die Hauptfachabteilung für Allgemein- und Visceralchirurgie, minimalinvasive und endokrine Chirurgie an der Neuburger Klinik. „Mit meinen Behandlungspartnern eint mich der Anspruch einer optimalen heimatnahen Versorgung. Unsere niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen erhalten mit dem Update Einblick in besondere Krankheitsbilder und damit verbundenen neuen Diagnostik- und Therapie-Optionen“, erläuterte der Chefarzt zu Beginn der Veranstaltung. Mit diesem Wissenstransfer festigt die KJF Klinik Sankt Elisabeth ihre Funktion als Schnittstelle und Impulsgeber im Gesundheitsnetzwerk unserer Region.

Als relativ kleines Organ sitzt die Schilddrüse mit einem Gewicht von rund 25 Gramm unterhalb des Kehlkopfs an der Luftröhre. Doch man sollte sie keinesfalls unterschätzen: Mit der Produktion und Freisetzung von Hormonen nimmt sie entscheidend Einfluss auf den menschlichen Stoffwechsel und zahlreiche Körperfunktionen. Unabhängig von den jeweiligen Krankheitsbildern fällt auf, dass Frauen häufiger als Männer an Erkrankungen der Schilddrüse leiden. Zehnmal häufiger werden sie mit Autoimmun-Erkrankungen konfrontiert, viermal häufiger mit einem Krebs an der Schilddrüse. Auch die Häufigkeit von Operationen an diesem Organ ist viermal höher als bei Männern. Oft leiden betroffene Frauen und Männer jahrelang unter den Symptomen einer Schilddrüsen-Erkrankung, bis nach einer umfassenden Diagnostik effektive therapeutische Schritte eingeleitet werden. „Unser gemeinsames Ziel ist es deshalb, mit einem „Schilddrüsen-Netzwerk“ in unserer Region die Wege zwischen behandelnden niedergelassenen Kollegen, Patienten und Schilddrüsen-Spezialisten effektiver zu gestalten“, betonte Chefarzt Dr. Achim Wolf.

Dr. Hubert Elser aus Ingolstadt rückte mit dem „Primären Hyperparathyreoidismus“ eine Funktionsstörung der Nebenschilddrüse ins Zentrum seines Vortrags. Neben der Diabetes-Erkrankung ist dieses Leiden eine der häufigsten hormonellen Erkrankungen. Die meist gutartige Wucherung der Nebenschilddrüse („Adenom“) produziert das sogenannte Parathormon. Ein Anstieg des Kalziumspiegels im Blut und ein verstärkter Verlust von Phosphat sind die Folge. Mögliche Symptome äußern sich in Form von Nierenstein, Knochenschmerzen, einer allgemeinen Abgeschlagenheit und Beschwerden im Verdauungstrakt (Obstipation, Gewichtsverlust). Als Nuklearmediziner widmete sich Dr. Elser der Frage, inwieweit der Chirurg bei diesem Krankheitsbild bildgebende Diagnostik benötigt. „Ein solch fokussierter Zugang ermöglicht meist einen einseitigen Eingriff, kürzere OP-Zeiten und weist eine geringere Morbidität (Krankheitsdauer) auf“, fasste Dr. Elser zusammen.



„Neues zur Sonografie und Szintigraphie der Struma nodosa“ stellte Professor Dr. Uwe Cremerius aus der gleichen Praxis im Diagnostikum Ingolstadt wie Dr. Elser dem Auditorium vor. Die Unterscheidung in „heiße“ oder „kalte“ Knoten zeugen von ihrer Aktivität und der Fähigkeit, Hormone zu produzieren. Heiße Knoten sind überaktives Gewebe – sie nehmen verstärkt Jod auf und stellen mehr Hormone her als der Körper benötigt. Obwohl sie damit zu einer Überfunktion führt, stellt diese Gewebeveränderung sich fast immer als gutartig heraus. Im Szintigramm erscheinen die heißen Knoten als (radioaktiv jodreiche) gelbe oder rote Areale. Demgegenüber haben die die kalten Knoten nur eine verminderte oder keine hormonproduzierende Aktivität. Ihre Ursachen liegen oft im vernarbten bzw. verkalkten Gewebe oder einer mit Gewebsflüssigkeit gefüllten Zyste. Das Szintigramm gibt sie als grüne oder blaue „kalte“ Areale wieder. Auch wenn die kalten Knoten meist gutartige Gewerbsveränderungen sind, besteht hier die seltene Wahrscheinlichkeit eines bösartigen Tumors. Deshalb beginnt die Behandlung durch den Facharzt mit einer umfassenden Diagnostik. Dem Tastbefund (Palpation) schließt sich die Sonographie an. Auch die Szintigraphie, bei der eine radioaktive, schnell zerfallende Substanz in der Schilddrüse angereichert wird, ist ein wichtiges diagnostisches Verfahren. In der fachlichen Begutachtung haben sich verschiedene Kriterien herausgebildet, die als Indikatoren für eine gutartige oder bösartige Veränderung in Betracht kommen. „Allerdings zeigen Untersuchungen“, so Professor Dr. Cremerius, „dass nur ein einzelnes Kriterium noch keine Sicherheit schafft.“ Nuklearmediziner und Endokrinologen beurteilen das Zusammenspiel von bestimmten Kriterien in einem „Score“. Die durch Studien belegte Praxiserfahrung zeigt, dass bei dem Zusammentreffen von fünf Kriterien mit bis zu 80-prozentiger Sicherheit von einem bösartigen Tumor in der Schilddrüse ausgegangen werden kann. Als Ergänzung zur herkömmlichen Szintigraphie unterstrich Professor Dr. Cremerius die Rolle der „MIBI-Szintigraphie“ in der Differentialdiagnostik. „Je mehr Kriterien wir mit den verschiedenen Diagnostikverfahren finden, desto besser ist das für den behandelnden Arzt und natürlich auch den Patienten“, fasste der Nuklearmediziner zusammen.

Eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse stand im Fokus des Vortrags von Nuklearmediziner Daniel Strobel aus der gleichnamigen Praxis in Ingolstadt: „Neues und Bewährtes in der Diagnostik und Therapie der Hashimoto Thyreoiditis“. Die Erkrankung, an der Frauen deutlich häufiger leiden als Männer, zerstört Schilddrüsengewebe infolge eines fehlgeleiteten Immunprozesses. Als eine der häufigsten Autoimmunerkrankungen ist sie in vielen Fällen für eine primäre Schilddrüsenunterfunktion verantwortlich. „Gerade am Beginn der Erkrankung steht der behandelnde Facharzt gemeinsam mit dem Patienten vor der Herausforderung, bei der Vielfalt der Symptome das Krankheitsbild zu genau zu erschließen“, betonte Daniel Strobel. Dabei stehen diagnostisch neben dem Gespräch mit dem Patienten und dem Labor auch bildgebende Verfahren wie Ultraschall und Szintigraphie zur Verfügung. Die genetische Disposition für die Hashimoto-Erkrankung ist erblich. Das Auftreten dieser Schilddrüsen-Erkrankung fällt oft in Zeiten hormoneller Veränderung wie Pubertät, Geburt eines Kindes oder die Wechseljahre. Außerdem ist man in Belastungssituationen empfindlicher für das Auftreten dieser Autoimmunerkrankung.

Bei der Hashimoto-Thyereoditis kann es anfänglich zu einer Schilddrüsenüberfunktion kommen, diese wird aufgrund der kurzen Dauer oft nicht erkannt. Mit Fortschreiten des Krankheitsverlaufs tritt allerdings langfristig eine Schilddrüsenunterfunktion ein. Als Symptome sind u. a. kennzeichnend: Antriebslosigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie Müdigkeit, verlangsamter Herzschlag und Muskelschwäche, trockene und rissige Haut, trockene Schleimhäute und Haarausfall. Niedrige Körpertemperatur und erhöhte Kälteempfindlichkeit. Außerdem fällt eine Gewichtszunahme auf.

Da eine Beseitigung der Krankheitsursachen nicht möglich ist, steht eine Behandlung der Folgen im Zentrum der ärztlichen Bemühungen. Dabei ist eine engmaschige Kontrolle des oft schleichenden Krankheitsverlaufs mit allen diagnostischen Möglichkeiten sehr wichtig – und der Dialog zwischen Arzt und Patient. „In unserer Praxis haben wir im Gespräch mit den Patienten herausgefunden, dass verschiedene Ernährungsgewohnheiten die Hashimoto Thyreoiditis beeinflussen können“, erläuterte Daniel Strobel.

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Aus der Sicht des Chirurgen stellte Chefarzt Dr. Achim Wolf „Neues in der Therapie der differenzierten Schilddrüsenkarzinome“ vor. Dabei wird die vollständige Entfernung der Schilddrüse nicht in Frage gestellt. Uneinigkeit herrscht aber darüber, inwieweit eine teilweise Operation der Schilddrüse ausreichend ist – und darüber, ob auch prophylaktisch Lymphknoten entfernt werden sollten. Man unterscheidet hier sechs verschiedene Lymphknotengruppen im Halsbereich mit weiteren sechs Untergruppen. Ihre Klassifikation gibt Aufschluss über den chirurgischen Aufwand und die Prognose im Verlauf der Tumorerkrankung. „Der Halsbereich ist ein chirurgisch anspruchsvolles Areal, das viele „gefährdete Strukturen“ aufweist“, erklärte Dr. Achim Wolf. Neben den Lymphknoten durchziehen zentrale Nervenbahnen dieses Gebiet, die beispielsweise das Zwerchfell, die inneren Organe oder die Zunge steuern. Auch der Sympathicus, der Ductus thoracicus als zentraler Teil des lymphatischen Systems, die Halsschlagader und die großen Halsvenen verlaufen hier. Grundsätzlich sind verschiedene differenzierte bösartige Tumor-Typen der Schilddrüse bekannt: das papilläre, das follikuläre und das meduläre Schilddrüsenkarzinom. Ihre therapeutische Behandlung ist ebenso unterschiedlich wie ihr Verhalten in Bezug auf die Metastasen-Bildung. Dementsprechend ist auch die Prognose über den Krankheitsverlauf differenziert zu beurteilen. Da Symptome eines bösartigen Tumors erst sehr spät auftreten, spielt die Früherkennung – u. a. mit bildgebenden Verfahren – hier eine wesentliche Rolle. Je nach Tumor-Typ besteht nach dem Entfernen der Schilddrüse die Möglichkeit einer effektiven Radiojodtherapie. In letzter Zeit wurden neue Besonderheiten bei der mikroskopischen Krankheitsdiagnostik von Gewebeproben gefunden, die Einfluss auf Prognose und Resektionsausmaß haben.

Privatdozent Dr. George Vlotides stellte ausgewählte Fälle aus dem Zentrum für Endokrinologie und Stoffwechsel in Ingolstadt vor. Anfängliches Kopfzerbrechen bereitete dem Schilddrüsen-Spezialisten aus Ingolstadt ein Patient mit Schilddrüsenüberfunktion, bei dem trotz Ausschöpfen aller diagnostischen Möglichkeiten keine Auffälligkeiten an der Schilddrüse gefunden werden konnten. Selbst die medikamentöse Therapie konnte nichts an dieser Funktionsstörung ändern. Eine Einnahme von Schilddrüsenhormonen verneinte der Patient. Schließlich kam der Verdacht auf, dass eine Wurst, die der Patient häufig aß, mit einem Schilddrüsenhormon belastet sein könnte. Dazu war eine aufwändige Familien- und Eigenanamnese des Patienten nötig gewesen, die aber letztlich den Weg der Erkenntnis einleitete: Das probeweise Weglassen der Wurst und eine umfassende Analyse der Ware bestätigten den Verdacht. In der Wurst war der Schilddrüsenhormonanteil deutlich erhöht. Nach Weglassen dieses Nahrungsmittels normalisierte sich die Schilddrüsenfunktion wieder bis zu einer vollständigen Heilung.

An den Kliniken St. Elisabeth gehören Hightech und Menschlichkeit zusammen. Besonders am Herzen liegt Chefarzt Dr. Achim Wolf und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die ganzheitliche Betreuung ihrer Patienten. „Mein Herz schlägt für die heimatnahe chirurgische Versorgung“, so Dr. Achim Wolf. „Ich freue mich, dass ich in Neuburg auf eine tolle Mannschaft getroffen bin, die mich im Dienst am Patienten kompetent unterstützt.“ Für die chirurgische Hauptfachabteilung der KJF Klinik Sankt St. Elisabeth spricht nicht nur die hohe fachliche Kompetenz des Ärzteteams um Chefarzt Dr. Achim Wolf. Eine weitere große Stärke ist die professionelle und persönlich engagierte Pflege des christlichen Hauses. Für Patienten, die sich über den Besuch ihrer Angehörigen aus der Region freuen, ist die chirurgische Abteilung an den Kliniken Neuburg auch wegen der räumlichen Nähe eine ideale Alternative. Wer sich zu einem Eingriff an der Klinik Sankt Elisabeth entschließt, benötigt von einem niedergelassenen Arzt eine Einweisung an Dr. Achim Wolf, oder er stellt sich in der chirurgischen Praxis im MVZ bei der leitenden Oberärztin Frau Dr. Kleinschroth vor.