Sphygmograph bei der Mittagsvisite



Ein Präzisionsinstrument zeichnete den Puls auf.

(ir) In der Mittagsvisite des Deutschen Medizinhistorischen Museums am Dienstag, 4. August 2020 um 12:30 Uhr begibt sich Alois Unterkircher in die Frühphase der „Apparatemedizin“. Er stellt ein von dem Schweizer Arzt Alfred Jaquet entwickeltes Präzisionsinstrument vor, mit dem um 1910 der Puls aufgezeichnet werden konnte.



Wesentliche Bestandteile dieses Apparates waren eine mechanisch betriebene Walze, eine darauf laufende Papierrolle, eine Feder und ein Stift. Der Rhythmus des Pulses wurde so in anschaulichen Kurven dargestellt. Diese grafische Umsetzung der Pulsfrequenz ersetzte nicht nur die bislang gebräuchliche sprachliche Beschreibung des Pulses als „rasend“, „weich“ oder „holprig“. Diese neue Methode machte die Pulsmessung erstmals objektiv, indem sie die bei tausenden Menschen erhobenen Daten standardisierte und somit miteinander vergleichbar machte.



Unterkircher erläutert nicht nur die Funktionsweise dieses sogenannten „Universal-Polygraphen“. Er führt auch in den Beginn der naturwissenschaftlich orientierten Medizin um 1850 ein, die mit solchen Instrumenten und Apparaten zur physikalischen Diagnostik eine erste Blütezeit erlebte.



Die halbstündige Mittagsvisite findet im Seminarraum „Christa Habrich“ statt. Der Eintritt ist frei. Aufgrund der aktuellen Beschränkungen ist die Teilnahme nur mit Anmeldung an der Museumskasse unter der Telefonnummer (08 41) 3 05-28 60 und per E-Mail an dmm-kasse@ingolstadt.de möglich. Im Museum muss ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden – auch während der Veranstaltung. Bei entsprechender Nachfrage wird die Mittagsvisite um 13:30 Uhr wiederholt.

Das Foto zeigt einen Universal-Polygraph nach Jaquet um 1915.