Frankensteinjahr im Deutschen Medizinhistorischen Museum


 
Auftakt zur Vortragsreihe „Menschen machen“ mit einem Blick in die Antike. 

(ir) 1818 veröffentlichte die junge Engländerin Mary Shelley einen Schauerroman, der heute zu den herausragenden Werken der englischen Literatur zählt: „Frankenstein or The modern Prometheus”. Erstaunlicherweise ließ sie den jungen Schweizer Victor Frankenstein ausgerechnet an der Bayerischen Landesuniversität in Ingolstadt studieren. Hier entdeckte er das Geheimnis des Lebens, und hier erweckte er schließlich selbst seine „Kreatur” zum Leben. Damit wurde „Frankenstein” zur bis heute wirkmächtigen Symbolgestalt biotechnischer Grenzüberschreitungen.

Das Deutsche Medizinhistorische Museum bietet zum „Frankensteinjahr 2018“ ein breit gefächertes Programm mit Theater, Lesung, Objektvorstellungen und anderen Veranstaltungen. Im Zentrum steht dabei allerdings nicht die furchterregende „Kreatur“, sondern ihr Schöpfer Victor Frankenstein, dessen „Erfinderin“ Mary Shelley, die Medizin ihrer Zeit und der alte und zugleich brandaktuelle Wunsch des Menschen, Leben zu schaffen, oder es zumindest zu optimieren.

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Den Anfang macht am Mittwoch, 17. Januar um 19:00 Uhr die Vortragsreihe „Menschen machen. Mythen und Möglichkeiten in Antike und Gegenwart“. Dr. Martin Boss, Archäologe und Kustos der Antikensammlung Erlangen, spricht über „Frankensteins Vorgänger. Künstlich geschaffene Wesen in der griechischen Antike“.

Bis September folgen vier weitere Vorträge, in denen sich ein Medizinethiker, ein Herzchirurg, ein Anatom und ein Medizinhistoriker aus ihren jeweils eigenen Blickwinkeln mit der Frankensteinthematik auseinandersetzen werden.

Die Mythologie der griechischen Antike kennt allerlei Ausgeburten an Ungeheuern und die seltsamsten Verwandlungen von einer Lebensform in eine andere. Aber seit dem Werden der Welt aus dem Chaos wird dort eigentlich alles, sogar Göttergeschlechter selbst in ihrer Abfolge, immer irgendwie geboren.

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Wie aber steht es mit künstlichen Schöpfungen, also der bewussten Schaffung von beseeltem Leben aus toter Materie, oder gar Maschinenwesen? Schließlich ist ja das Wort „Automat” griechischen Ursprungs. Verdienen derartige Kreaturen am Ende sogar unser Mitleid?

Martin Boss studierte Klassische Archäologie in Würzburg und Bern. Nach seiner Promotion 1987 zum Thema „Lakonische Votivgaben aus Blei” in Würzburg war er mit einem Zeichenbüro selbstständig tätig. Seit 1991 leitet er als Kurator die Antikensammlung an der Universität Erlangen-Nürnberg, wo er für die Präsentation der Originalsammlung (1994), das virtuelle Museum AERIA (1996) und die Gipsabguss-Galerie (1997) verantwortlich zeichnete. 2015 wurde ihm die Verdienstmedaille der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg verliehen.