Radiologie im Nationalsozialismus


 
Gastausstellung im Deutschen Medizinhistorischen Museum Ingolstadt wird eröffnet.

(ir) Das Deutsche Medizinhistorische Museum Ingolstadt (DMMI) zeigt vom 22. Februar bis 9. September die Sonderausstellung „Radiologie im Nationalsozialismus“. Die Veranstaltung zur Eröffnung der Ausstellung findet am Mittwoch, 21. Februar um 19:00 Uhr im Rudolf-Koller-Saal in der Volkshochschule, Hallstraße 5, statt. Anschließend lädt das Team des DMMI zum Eröffnungsempfang und zum Besuch der Ausstellung in das Museum ein.

Im Jahr 2010 beauftragte die Deutsche Röntgengesellschaft e. V. die Medizinhistorikerin Dr. Gabriele Moser (Universität Heidelberg) mit der Aufarbeitung der Geschichte der Deutschen Röntgengesellschaft in den Jahren der nationalsozialistischen Diktatur. Die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e. V. (DEGRO) trat im Hinblick auf die gemeinsame Vergangenheit von DRG und DEGRO diesem Projekt im Jahr 2012 bei.

Bei der Eröffnung in der vhs werden Vertreter der DRG, der DEGRO und des Ärztlichen Kreisvereins Ingolstadt-Eichstätt sowie der Kulturreferent der Stadt Ingolstadt Grußworte sprechen. Dr. Gabriele Moser, die wissenschaftliche Kuratorin der Ausstellung, führt in die Thematik ein. Abschließend berichtet Prof. Dr. Marion Ruisinger, die Direktorin des DMMI, von der Anpassung der Ausstellung für die Präsentation in Ingolstadt. Der Pianist Vardan Mamikonian (Ingolstadt/Paris) begleitet die Eröffnungsveranstaltung am Flügel mit Werken von Komponisten, die im Nationalsozialismus als „entartete Musik“ diffamiert waren.

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Die Ausstellung „Radiologie im Nationalsozialismus” präsentiert die Ergebnisse des von der DRG und DEGRO in Auftrag gegebenen Forschungsprojektes. Sie gibt einen Gesamtüberblick über das Thema, zeichnet den verbrecherischen Einsatz der Röntgenstrahlung im Dienste nationalsozialistischen Rassenwahns nach und dokumentiert damit verbundene wissenschaftliche Karrieren. Sie veranschaulicht aber auch die oftmals schwierige Bergung von Biografien verfolgter und ermordeter Radiologinnen und Radiologen zwischen 1933 und 1945.

Für die Präsentation in Ingolstadt wurde die Ausstellung durch den „Fokus Ingolstadt” ergänzt, der die Fragen der Wanderausstellung noch einmal aufgreift und in einer Tafel und einer Medienstation erste Antworten darauf gibt, wie sich die jeweiligen Themen in der Ingolstädter Geschichte darstellen:

• Wie war der Stand der Radiologie in Ingolstadt?
• Gab es auch hier jüdische Ärztinnen und Ärzte? Wie gestaltete sich ihr Schicksal?
• Wie gestaltete sich der Zugriff der Tuberkulose-Fürsorge auf die Ingolstädter Bürgerinnen und Bürger? Gibt es Hinweise auf Zwangsasylierung von Tuberkulosekranken?
• Wie viele Bürgerinnen und Bürger der Stadt wurden im Zuge der Umsetzung des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses” gegen ihren Willen unfruchtbar gemacht? Wie lief dieses Verfahren ab, und in welchen Kliniken fand die Unfruchtbarmachung – durch Operation oder Strahlung – statt?

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Die Text- und Bildtafeln der Ausstellung werden durch Objekte aus der Sammlung des Deutschen Medizinhistorischen Museums und Leihgaben aus dem Deutschen Röntgenmuseum Remscheid ergänzt. Für internationale Besucher liegen in der Ausstellung englische Texthefte bereit.

Das Foto zeigt eine Röntgenstation im Krankenhaus Links der Isar.